Die Jazz-Denkweise: Was meine Visitenkarte über meine Arbeitsweise verrät

Die Jazz-Denkweise: Was meine Visitenkarte über meine Arbeitsweise verrät

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Auf meiner Visitenkarte ist ein Foto von mir am Jazzklavier. Das fällt auf. Man fragt mich, warum.

Ich bin ein bisschen ein Jazz-Nerd, das erklärt schon einiges. Aber es steckt auch ein geschäftlicher Grund dahinter.

Es ist eine schnelle Abkürzung, die ich gefunden habe, um zu erklären, wie ich denke — meine Denkweise.

Jazzmusiker hören zu, bevor sie spielen. Nicht aus Höflichkeit — als Grundhaltung. Man findet den Raum, bevor man ihn füllt. Miles Davis wird oft dafür zitiert: „Spiel nicht, was da ist, spiel, was nicht da ist.“ Und man hört nicht nur auf die eigene nächste Note — man hört darauf, was alle um einen herum brauchen.

Unter diesem Zuhören liegt etwas, das man Groove nennt. Kein Tempo — das hält ein Metronom. Keine Harmonie — das sind die Akkorde. Groove ist der gemeinsame Puls, in den die ganze Gruppe zusammen einrastet. Im Kundengespräch ist das der Unterschied zwischen Arbeit, die sich transaktional anfühlt, und Arbeit, die wirklich etwas bewegt.

Genau das trainieren die meisten Meeting-Kulturen aus den Menschen heraus. Wir kommen mit der fertigen Antwort. Ein Jazzmusiker kommt offen.

Aber Zuhören allein reicht nicht — denn man spielt nicht allein. Die anderen Musiker formen, was als Nächstes passiert. Das ist Harmonie: nicht alle spielen dasselbe, sondern alle spielen Dinge, die zusammenpassen. Was man tut, hängt davon ab, was die Person neben einem tut. Das Ergebnis ist etwas, das keiner allein hätte schaffen können.

Und wenn etwas Unerwartetes passiert — eine falsche Wendung, eine Überraschung aus dem Raum — hört man nicht auf. Man spielt hindurch. Das ist Improvisation: gründliche Vorbereitung, gespielt als Antwort auf das, was der Raum gerade wirklich gibt, nicht auf das, was man geprobt hat. Das ist kein Draufloswursteln. Die beste Kundenarbeit, an der ich beteiligt war, sah genau so aus.

Herbie Hancock erzählte einmal die Geschichte eines Abends mit Davis, an dem er mitten im Solo einen scheinbar katastrophal falschen Akkord traf. Davis reagierte, indem er Noten spielte, die diesen Akkord passend machten. Hancock erinnerte sich später: „Miles hörte das nicht als Fehler. Er hörte es als etwas, das passiert ist. Als ein Ereignis.“ Die Band hörte nicht auf. Sie bauten darauf auf.

Diese Idee — das Zuhören, die Harmonie, der Groove, das gemeinsam Geschaffene — hat geprägt, wie ich über Kundengespräche denke, virtuell wie persönlich.

Was sagt Ihre Visitenkarte? Ich bin gespannt.