Die Digitalisierung hat nicht für mich gelernt. Sie hat die Feedback-Schleife verkürzt.

Die Digitalisierung hat nicht für mich gelernt. Sie hat die Feedback-Schleife verkürzt.

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Als ich etwa fünf Jahre alt war, bekam ich von meinen Eltern meine erste Kamera. Mein Vater bereitete mir dazu ein kleines Heft vor, in das ich zu jedem Bild die wichtigsten Werte eintragen sollte: Blende, Entfernung, Belichtungszeit.

Ich machte meine ersten Bilder und schrieb alles sorgfältig auf. Wenn der Film voll war, dauerte es noch ein oder zwei Wochen, bis er entwickelt war. Erst dann konnte ich sehen, was funktioniert hatte und was nicht.

Die Feedback-Schleife war langsam. Mein Fortschritt auch.

Viele Jahre später kaufte ich mir eine DSLR. Jetzt sah ich sofort, was Blende, Brennweite und Belichtungszeit tatsächlich bewirken. Verschiedene Blitze und Lichtsituationen konnte ich direkt ausprobieren. Aus Wochen wurde ein Blick auf das Display. Es hat mir große Freude gemacht zu erleben, wie schnell ich besser wurde.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich in der Musik gemacht. Ich hätte mir nie vorstellen können, selbst orchestrale Musik zu komponieren. Dann installierte ich mehrere orchestrale Sample Libraries und fing an zu experimentieren: wie ein Orchester funktioniert, wie einzelne Stimmen zusammenklingen, was Stimmführung wirklich ausmacht. Mit Hilfe von YouTube-Videos und Orchestrierungstools entstanden ziemlich schnell meine ersten orchestralen Stücke.

In beiden Fällen hat die Digitalisierung das Lernen nicht für mich übernommen. Sie hat die Zeit zwischen dem Ausprobieren und dem Moment verkürzt, in dem ich sehen – oder hören – konnte, was es bewirkt hat. Genau das macht sie für mich zum Lernbeschleuniger.

Dieselbe Logik steckt hinter kurzen Iterationen in der Softwareentwicklung: Je früher ein Team die Wirkung einer Änderung sieht, desto früher lernt es.

Wo hat die Digitalisierung bei dir eine Feedback-Schleife verkürzt – und was hat das mit deinem Lerntempo gemacht?