Wenn der Prozess gegen die Organisation arbeitet

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Ein Kollege hat es in einem Beratungsgespräch ohne Umschweife auf den Punkt gebracht: „Manchmal arbeitet der Prozess gegen die Organisation.“

Mit der Reibung hat er recht. Das haben wir alle schon erlebt, oder? Aber Prozess und Struktur sind nicht per se Gegenspieler. Schwierig wird es, wenn wir das eine gestalten und das andere dem Zufall überlassen.

Die deutsche Organisationslehre hat diese Linie schon vor Jahrzehnten gezogen: Aufbauorganisation (Struktur) und Ablauforganisation (Prozess). In der Praxis hat aber die Struktur die Prämissen gesetzt, und die Ablaufseite ist, wie Gaitanides und Ackermann es formulieren, zum „Lückenbüßer“ verkommen.

Am schärfsten zeigt sich das Muster in der Software: Conway’s Law (1968). Die Struktur eines Systems spiegelt die Kommunikationsstruktur der Organisation, die es entwirft. Die Antwort aus der Praxis ist das Inverse Conway Maneuver, bekannt geworden durch Team Topologies: Teams nach der Architektur und dem Fluss schneiden, die wir haben wollen – nicht nach den Kästchen, die es schon gibt. Eine Heuristik, kein Gesetz. Aber sie stellt die Fragen in der richtigen Reihenfolge.

Die Reibung ist real, entsteht aber selten daraus, dass der Prozess gegen die Struktur kämpft. Sie entsteht aus einer Struktur, die nie für den Prozess gebaut wurde, den sie tragen muss. Das Bild gefällt mir. Denn wir vergessen zu oft, dass eine Struktur schlicht dazu da ist, einen Prozess zu unterstützen – und nicht um ihrer selbst willen.

Habt ihr auch schon erlebt, wie Reorganisationsteams das Organigramm neu zeichnen und die Reibung trotzdem genau dort bleibt, wo sie war?